Was für Kinder wollen wir?
Dank "Hallo, hier spricht mein Gehirn" wissen wir jetzt also folgendes: Nichts passt sich besser an die Umgebungsbedingungen an, als das Gehirn eines Kindes. Und es dauert die ersten zehn Jahre, bis das Gehirn mit dieser Anpassung fertig ist. In diesen ersten zehn Jahren wird gewissermaßen das Betriebssystem in den Köpfen unserer Kinder installiert. Und wir entscheiden selbst mit, wie dieses Betriebssystem aussieht. Wachsen unsere Kinder in Liebe auf, werden sie in der Lage sein, zu lieben. Geben wir unseren Kindern Gelegenheit zu staunen, werden sie später mit neugierigen Augen die Welt erforschen. Setzen wir unsere Kinder vor den Fernseher, werden sie die weltbesten Fernsehgucker. Erleben unsere Kinder Aggressivität und Gewalt als normalen Alltag, passt sich ihr Gehirn auch daran an und entwickelt aggressive Verhaltensmuster.
Wir entscheiden also selbst mit, welche Kinder wir haben. Und deshalb kommt es auf jeden Einzelnen an. Denn wir haben nicht nur die Möglichkeit, sondern auch die Verantwortung, uns in die Entwicklung unserer Kinder "einzumischen".
Jedes Kind hat das Recht auf eine optimale (Gehirn-)Entwicklung. Und damit auch das Recht auf Liebe, Zärtlichkeit, Geborgenheit, Wärme, Vertrauen, Sicherheit, Förderung seiner Begabungen und Interessen, Freizeit und vieles mehr.
In unserem Kinderkanon skizzieren wir, anhand notwendiger neurobiologisch und sozialethisch begründeter Eckpunkte, was Kinder und ihre Familien für ihre optimale Entwicklung brauchen. Der Kinderkanon ist dabei keine Sammlung von Wunschträumen für eine bessere Welt für unsere Kinder, sondern gibt den neuesten Stand der Wissenschaft wieder. Alle genannten Punkte sind Grundrechte eines jeden Kindes. Grundrechte, die nicht erst von Geburt an existieren. Sondern schon am allerersten Tag.
PS: Übrigens ist der Kinderkanon - entgegen unserer Gewohnheit - oft etwas schwer verständlich formuliert. Und das mit voller Absicht, denn der Kinderkanon ist unter anderem auch für unsere Politiker und wissenschaftlichen Kollegen gedacht. Und viele von diesen glauben leider immer nur Texte, die sonst kein Mensch verstehen kann (oder will).